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Gazas Schrei nach Gerechtigkeit

Täglich wird über alle Katastrophen dieser Welt berichtet. Doch nie über Gaza. Von der „4 Mrd € Hilfe“ sind bisher nur 3% angekommen. Vor allem für Gehälter der internationalen Helfer. Zynisch hält Netanjahu die Steuer-Einnahmen Palästinas (!) zurück, weil dessen Regierung dem Internationalen Strafgerichtshof beigetreten ist. Folge: Not pur. Selbst schwer zerstörte Wohnungen können nicht repariert werden. Nachts ist es oft bitterkalt.Fünf Babies sind bereits erfroren. Salma, Fadi, Adel, Rafah und Wadie. Kein Staatsmann der Welt protestiert gegen den Tod dieser Kinder. Keiner kondoliert den Eltern. Unsere Staatsmänner kümmerten sich ja auch nie um die 539 zu Tode gebombten und 3000 verletzten Kinder aus Gaza. Es waren ja nur Palästinenserkinder.

Gaza liegt am Boden. Nicht angezählt, ausgezählt. Freunde aus Gaza sagen mir leise: „Noch nie war die Lage der Menschen so verzweifelt. Nie!“ 140.000 Kommunalangestellte erhalten nur noch Bruchteile ihrer Gehälter. Sie können ihren Kindern nicht einmal mehr ein Pausenbrot bezahlen. Abwassersystem, Wasserversorgung und sanitäre Einrichtungen sind zusammengebrochen. Alles ist verseucht. Die Zahl der Krankheiten explodiert.

Über 370.000 Kinder müssten laut UNICEF zur Zeit psychologisch betreut werden. Sie können die grausamen Bilder des Todes ihrer Eltern, Geschwister und Freunde nicht verarbeiten und stehen noch immer unter Schock. Auch Erwachsene. Ihre Behandlung ist völlig unzureichend. Einer von ihnen ist der 12-jährige Sayed, dessen vier Spiel-Kameraden beim Fußballspielen am Strand durch israelische Raketen starben. Ich war an jenem Tag in Gaza. Fassungslos. Erst war Sayed gelähmt und verlor die Sprache. Jetzt wird er mit schwersten Psychopharmaka behandelt. Die Schule hat er aufgegeben.

Einige Kinder und Heranwachsende wollen sich mit dem trostlosen Bild ihrer zerstörten Stadt nicht abfinden. Mit bunten Farben malen sie die Felsen und Betonklötze des Hafens an. Gaza soll leben, leuchten, bunt sein. Weg mit den traurigen Gedanken! Eine verzweifelte Initiative! Doch sie wird die Tristesse nur aus dem Hafen der Stadt vertreiben. Nicht die Trauer aus den Herzen der Menschen.

Wissen Sie wirklich, Herr Netanjahu, was Sie diesen Menschen angetan haben? Waren Sie jemals in den Notunterkünften, den Krankenhäusern, den zerbombten Wohnungen von Gaza? Wahrscheinlich nicht. Sie verstünden sonst, warum Palästina dem Internationalen Strafgerichtshof beigetreten ist. Obwohl man dort auch über Verbrechen der Hamas sprechen wird.

Der Beitritt Palästinas zum Internationalen Gerichtshof ist ein Schrei nach Gerechtigkeit. Warum, Herr Netanjahu, wehren Sie sich gegen Gerechtigkeit, wenn Sie sich nichts vorzuwerfen haben? Wenn es zulässig war, in einer Orgie der Gewalt über 2.100 Menschen zu töten, über 11.000 zu verwunden und 20.000 Häuser zu zerstören? Oder wehren Sie sich etwa, weil sie genau wissen, dass die maßlosen Bombardements Kriegsverbrechen waren? Dass das Urteil über Ihre Rambo-Entscheidungen im Gaza-Krieg vernichtend sein wird? Auf all das wollen die traumatisierten Palästinenser eine Antwort. Auch der kleine Strandfußballer Sayed.

Unseren Politikern aber rufe ich zu: „Verdammt nochmal tut endlich was! Es ist völlig richtig, die Verbrechen der Vergangenheit nicht zu vergessen. Aber wenn Ihr jetzt Gaza langsam sterben lasst, habt Ihr wieder versagt.“ Es ist schwer, über Gaza nicht zu weinen. Ich schaffe es nicht mehr. Euer JT