Spiegel enthüllt, was ich schon längst enthüllte!

Seit dem Start meines Buchs „INSIDE IS“ werden meine Kritiker immer drolliger. Da sie mit dem Vorwurf, ich sei IS-Fan, auf dem Bauch landeten, sagen sie nun, ich sei Assad-Fan. Sie veröffentlichen Uralt-Mails von 2011/12, die ich Assads hübscher 21-jähriger Medien-Assistentin Scheherazad geschickt hatte. Ziel war, Assad zum Dialog mit der Opposition und zu Demokratie zu überreden. Scheherazad war meine Botin. Ich fand es besser, per Email für Demokratie zu werben als mit Bomben und Raketen.

Das Peinliche für die jetzigen Email-Enthüller ist, dass ich die wichtigsten Mails in meinem Buch „Du sollst nicht töten“ selbst ausführlich geschildert hatte. In einem Extra-Kapitel „Emails an Scheherazad“. Auf 5 Seiten. Es gab also gar nichts zu enthüllen, liebe „Enthüllungs-Helden“! Ihr traut euch nicht in die Höhle des Löwen und entdeckt vom Schreibtisch aus ‚olle Kamellen‘. Einen ganzen Tag habt ihr mir damit geklaut.

Kern der Mails war immer meine Forderung nach einer Demokratisierung Syriens und nach einem Dialog mit der Opposition. Natürlich in freundlichem Ton. Mit Unfreundlichkeit erreicht man nie etwas. Vor allem nicht bei Frauen. Ich würde auch mit Obamas oder Putins Vorzimmer flirten, wenn ich dadurch vernünftige Friedenslösungen erreichen würde. Auch wenn in ihrem Vorzimmer des Teufels Großmutter säße.

Ich habe keinen Apparat wie die großen deutschen Medienhäuser. Ich muss mir immer etwas einfallen lassen, um besser informieren zu können als Mediengiganten. Ja ich bin anders als viele Journalisten. Und stolz darauf.

Scheherazad zeigte mir in Damaskus übrigens eine lange Liste großer westlicher, auch deutscher Medienhäuser, die Assad dringend und teilweise devot um Interviews baten – und mich später massiv kritisierten, weil ich das Interview für die ARD bekam. Was für Heuchler und Neider! Doch Neid ist im Grunde die höchste Form der Anerkennung. Die könnten sich bestimmt auch nicht vorstellen, dass ich von der ARD für das Assad-Interview keinen Cent verlangt habe. Mir ging es um viel wichtigere Dinge. Um Frieden in Syrien. Weil ich das Land liebe.

Bei dieser Friedenslösung hätten alle Seiten massive Zugeständnisse machen müssen. Auch Assad. Ich glaube, dass niemand offener und härter mit Assad gesprochen hat als ich. Die Bundesregierung und das Weiße Haus (!) kannten die damaligen Vorschläge. Ich habe beide ausführlich darüber informiert. Mehrfach. Ich habe mit sehr offenen Karten gespielt.

Meinen verehrten Kritikern rufe ich zu: Geht doch selber mal zum IS und zu Assad, wenn ihr nicht ständig bei der Beurteilung der syrischen oder der irakischen Tragödie daneben liegen wollt! Und lest mein Buch INSIDE IS, statt ständig solch einen Stuss über den Mittleren Osten zu schreiben. Die meisten Medien des Westens haben die dortigen Krisen falsch beurteilt, weil sie nicht häufig genug vor Ort waren und weil sie sich weigerten, mit allen Konfliktparteien zu sprechen.

Hier zwei Mails an Scheherazad aus meinem damaligen Buch:

„22.12.2011
Nur ein paar Ideen eines Freundes:

1: Warum ernennt Ihr Präsident nicht offiziell einen seriösen, westlichen Politiker wie Genscher, Carter oder Kofi Annan, als „Berater für den demokratischen Übergang“?

2: Warum gibt der Präsident keinen schriftlichen oder offiziellen Befehl an seine Sicherheitskräfte, nicht auf Zivilisten zu schießen und sie stattdessen zu schützen?

Entschuldigen Sie, wenn ich mich in syrische Angelegenheiten einmische. Aber Ihr Land ist mein Land. Wie Sie will ich ein bisschen Licht in Ihr blutendes Land bringen.

23.01.2012 (7 Wochen vor Annans 6-Punkte-Plan)

Angesichts der aktuellen dramatischen Situation bin ich der Meinung, dass Ihr Präsident so bald wie möglich einen Friedensplan („Peace Plan“) präsentieren sollte. Der (historische) Moment ist jetzt!
Hier sind 6 Punkte, die dieser Plan beinhalten sollte. Sie sind nicht neu, aber wichtig als ein umfassendes Angebot.

„Assads 6-Punkte-Plan“:
1.Sofortiger Waffenstillstand.

2. Dialog mit der Opposition in Damaskus, Genf oder Moskau.

3. Einbeziehung der Opposition in die Gestaltung einer neuen demokratischen Verfassung.

4. Volksabstimmung über die neue Verfassung. – Beobachter: Jimmy-Carter-Stiftung.

5. Parlamentswahlen.

6. Präsidentschaftswahlen.“

All das habe ich Scheherazad geschrieben. Bewusst sehr freundlich. Das Mädchen, das sich Prinzessin nannte. Und natürlich gewusst, dass alles gehackt würde. Ich würde es immer wieder tun. Um mitzuhelfen, die syrische Tragödie zu vermeiden. Scheißkrieg!

Euer JT