DER STAAT VERHARMLOST RECHTS- RADIKALISMUS

Liebe Freunde, die ‘Welt’ hat letzten Sonntag Hinweise über die Beteiligung eines weiteren V-Manns an den rechtsradikalen ‘NSU-Morden’ veröffentlicht. Ein Riesenskandal! Die Bundesregierung scheint das kaum zu interessieren. Die Medien auch nicht. Sie stellen lieber den Islam als Sicherheitsproblem dar. Doch der wahre Feind unserer Gesellschaft steht rechts. Hier die Fakten:

Während deutsche “Islamisten” Gott sei Dank bis heute keinen einzigen Deutschen in Deutschland ermordeten, töteten Rechtsradikale und Rassisten von 1990 bis 2013 184 Menschen in Deutschland. Darunter Migranten, Obdachlose, Punks und Linke. Sowie mindestens 29 Muslime und mindestens einen Juden. Linksextreme töteten im gleichen Zeitraum laut BKA drei Menschen.

2014 nahm die ohnehin hohe Zahl rechtsextremer Körperverletzungen um fast 25 Prozent zu. Rechte begehen alle 10 Stunden eine Körperverletzung. Fast täglich gibt es Angriffe Rechtsradikaler auf Asylbewerber. Kürzlich wurde eine rechte Terror-Gruppe mit dem Namen OSS enttarnt. Die Innenminister spielen das dramatische Ansteigen der braunen Flut systematisch herunter. Sie tun wenig, um den rechten Mob zu stoppen.

Das Bundesinnenministerium behauptete am 6.3.2015, es gebe 270 “islamistisch-terroristische Gefährder”, aber nur 12 rechtsextreme und 6 linksextreme “Gefährder”. Das klingt nach gezielter Volksverdummung. Die Innenminister geben offenbar lieber alle paar Monate “islamistischen Terroralarm”, der meist kurz danach wieder in sich zusammenfällt – wenn er seine Wirkung getan hat. Und ihr “Feindbild Islam” wieder einmal unterstrichen hat.

Niemand darf die Gefahr “islamistischer” Gewalttäter in Deutschland verharmlosen. Niemand kritisiert “islamistische” Gewalt gegen Unschuldige deshalb härter als ich. Im In- und im Ausland. Sie ist genauso verwerflich wie Gewalt von rechts oder links. Und zutiefst unislamisch. Sogenannte “islamistische” Anschläge sind auch bei uns nicht ausgeschlossen.

Aber der Alarmismus und die systematische Verdrehung der Fakten durch deutsche Innenminister sind unverantwortliche Panikmache auf Kosten der deutschen Muslime. Sie unterstützen gezielt die Islamfeindlichkeit in Deutschland. In diesem Klima der Diffamierung heute als Muslim in Deutschland zu leben, ist nicht leicht.

Der NSU-Prozess, bei dem es um die Ermordung von 9 meist muslimischen Migranten und einer Polizistin durch Neo-Nazis geht, hat sich zunehmend zu einem relativ gemütlichen Kaffee-Kränzchen entwickelt. Wenn deutsche “Islamisten” 10 Deutsche ermordet hätten, wäre in Deutschland die Hölle los.

Der schwerste Terroranschlag der deutschen Nachkriegsgeschichte ist auch schon fast vergessen. Mindestens ein Mitglied der Neonazi-Wehrsportgruppe Hoffmann tötete am 26. September 1980 auf dem Münchner Oktoberfest bei einem Sprengstoffanschlag 13 Menschen. 211 Menschen wurden verletzt, 68 davon schwer. Grüne und Linke vermuten inzwischen, dass auch in diesen Terroranschlag V-Leute verwickelt waren. Die Bundesanwaltschaft hat jetzt, 34 Jahre nach dem Attentat, neue Ermittlungen aufgenommen. Was läuft falsch in unserem Land in Bezug auf rechte Gewalt und rechten Terror?

Das Heer der Rechtsradikalen und Rassisten sowie die offenbar deutlich kleinere Gruppe gewaltbereiter “Islamisten” haben übrigens einen verblüffend ähnlichen Hintergrund. Sie stammen meist aus bildungs- und sozialschwachen Milieus und flüchten aus ihrer Perspektiv-und Orientierungslosigkeit in eine neue soziale Identität als “Skinhead” oder als “Jihadist”. Sie radikalisieren sich fast blind mit ihrer Clique, die ihrem Leben endlich Geborgenheit, Sinn und Bedeutung gibt und ihnen das Denken abnimmt.

Religion und Politik spielen meist nur eine Rechtfertigungs- und Alibirolle. Politisch und “religiös maskierte” Extremisten schaukeln sich gegenseitig hoch. “Hooligans gegen Salafisten” und umgekehrt. Man lebt voneinander.

Wir dürfen diesen gehirngewaschenen Rechtsradikalen, Linksradikalen und angeblich religiösen Extremisten nicht erlauben, mit ihren Gewalttaten unser Leben und unser Denken zu bestimmen. Doch dazu brauchen wir einen Rechtsstaat, der die wahren Gefahren im Blick hat, objektiv darstellt und unvoreingenommen bekämpft. Egal von welcher Seite sie kommen.

Schaut euch bitte wenigstens einige der unten aufgeführten rechtsradikalen oder rassistischen Mordfälle an! Ihre Brutalität macht sprachlos. Weitere Fälle werden zur Zeit überprüft. Die Dunkelziffer ist hoch. Und das Morden der Rechtsradikalen und Rassisten begann nicht erst nach der Wiedervereinigung 1990, wie der Anschlag auf das Oktoberfest zeigt. Und hörte 2013 nicht auf…

Euer JT

DIE LANGE BLUTSPUR RECHTSRADIKALER UND RASSISTISCHER GEWALTTÄTER
Von 1990 bis 2013 wurden, wie oben erwähnt, nach Recherchen seriöser NGO’s 184 Menschen in Deutschland Opfer rechtsextremer oder rassistischer Gewalttäter. Quelle der folgenden Darstellung sind die Organisationen “mut-gegen-rechte-gewalt.de” und “Opferfonds Cura der Amadeu Antonio Stiftung”, deren Darstellung ich weitgehend übernehme. Die Wochenzeitung DIE ZEIT geht von 152 Fällen aus. Auch sie kritisiert die viel zu niedrigen staatlichen Zahlen.

Staatlich “anerkannt” werden nämlich nur 63 Fälle – mit äußerst fadenscheinigen Begründungen. Die Sicherheitsbehörden haben einen merkwürdig engen Begriff rechtsradikaler Straftaten, der fast schon Manipulation ist. Aber auch 63 Tote durch rechtsradikale Gewalt wären erschreckend viel.

Oft waren die Täter nach Darstellung der beiden genannten NGOs in rechtsextremen Gruppen organisiert und folgten mit ihrer Tat einer rassistischen, homophoben und obdachlosenfeindlichen Gesinnung. Manchmal hatten sie zwar keinen klar definierten rechtsextremen Hintergrund, aber sie handelten auf der Grundlage eines diffusen rechtsradikalen Weltbilds.

Aufnahme in diese Liste fanden alle Todesopfer, die nach gründlicher Sichtung der Quellen aus rechtsextremen und rassistischen Motiven erfolgten. Hinzu kommen ferner Fälle, in denen Täter nachweislich einem entsprechend eingestellten Milieu zuzurechnen sind und ein anderes Tatmotiv nicht erkennbar ist.

1990

1. Mahmud Azhar, 40 Jahre.
Der pakistanische Doktorand Mahmud Azhar wurde am 7. Januar 1990 von einem DDR-Bürger auf dem Gelände der Freien Universität Berlin rassistisch beschimpft und geschlagen. Als er telefonisch Hilfe rufen wollte, schlug ihn der Angreifer mit einem Feuerlöscherrohr auf den Kopf. Am 6. März erlag er seinen Verletzungen.

2. Andrzej Fratczak.
Am 7. Oktober 1990 wurde er bei einem Überfall durch drei Jugendliche vor einem Nachtclub in Lübbenau (Brandenburg) totgeschlagen und -getreten. Die drei deutschen Täter wurden zu Freiheitsstrafen zwischen acht Monaten sowie drei Jahren und neun Monaten verurteilt. Zwei von ihnen waren an einem Angriff auf das Asylbewerberheim in Lübbenau beteiligt.

3. Amadeu Antonio Kiowa, 28 Jahre (staatlich anerkannt).
Am 25. November 1990 wurde er in Eberswalde (Brandenburg) bei einem Angriff von 50 Rechtsextremisten auf drei Personen afrikanischer Herkunft vor einem Gasthof mit Knüppeln ins Koma geprügelt. Er starb elf Tage später.

4. Klaus-Dieter Reichert, 24 Jahre.
Am 11. Dezember 1990 wurde er in seiner Wohnung in Berlin-Lichtenberg von drei Skinheads, die beauftragt waren, bei ihm Schulden einzutreiben, zusammengeschlagen. In Panik sprang er aus dem Fenster, fiel zehn Stockwerke tief und starb.

5. Nihad Yusufoglu, 17 Jahre.
Er wurde am 28. Dezember 1990 in Hachenburg (Rheinland-Pfalz) von einem gleichaltrigen Skinhead mit einem Messerstich ins Herz getötet.

6. Obdachloser, 31 Jahre.
Er wurde am 31. Dezember 1990 in Flensburg (Schleswig-Holstein) von jugendlichen Skinheads zusammengeschlagen und -getreten. Er starb sechs Tage später an seinen Verletzungen.

7. Alexander Selchow, 21 Jahre, Bundeswehrsoldat.
Am 31. Dezember 1990 wurde er in Rosdorf (Niedersachsen) von zwei 18-jährigen Skinheads, die der FAP (Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei) angehörten, mit mehreren Messerstichen schwer verletzt. Er starb am 01.01.1991 an den Folgen des Angriffs.

1991

8. Jorge João Gomondai, 28 Jahre (staatlich anerkannt).
Am 31. März 1991 wurde Jorge João Gomondai in Dresden (Sachsen) während einer Auseinandersetzung mit Skinheads aus einer fahrenden Straßenbahn gestoßen oder sah sich aus Angst dazu gezwungen, aus der Bahn zu springen. Er starb an seinen schweren Kopfverletzungen.

9. Matthias Knabe, 23 Jahre.
Matthias Knabe wurde bei Gifhorn (Niedersachsen) am 08.05.1991 von 15 Rechtsextremen angegriffen. Im Verlauf des Angriffs trieben sie ihn auf die Bundesstraße 4, wo er von einem Auto erfasst wurde. Er erlitt schwere Hirnverletzungen, die am 4. März 1992 zu seinem Tod führten.

10. Helmut Leja, 39 Jahre, Obdachloser.
Der Obdachlose Helmut Leja wurde am 4. Juni 1991 in Gifhorn-Kästorf (Niedersachsen) von einem Jugendlichen erstochen. Der Täter gehörte der örtlichen Skinheadszene an und beschimpfte Helmut Leja im Vorfeld als „Abschaum“.

11. Agostinho Comboio, 34 Jahre (staatlich anerkannt).
Am 15. Juni 1991 wurde Agostinho Comboio in Friedrichshafen (Baden-Württemberg) von einem Rechtsextremen verprügelt und erstochen.

12. Samuel Kofi Yeboah, 27 Jahre (staatlich anerkannt).
Am 19. September 1991 verbrannte Samuel Kofi Yeboah in einem Asylbewerberheim in Saarlouis (Saarland), auf das ein Brandanschlag verübt worden war.

13. Gerd Himmstädt, 30 Jahre.
Er wurde am 1. Dezember 1991 in Hohenselchow (Brandenburg) von sieben Jugendlichen mit Baseballschlägern zusammengeschlagen. Die Täter gehören nach eigenem Bekunden „dem Kern der rechten Szene an“. Gerd Himmstädt verstarb am 3. Dezember 1991 an den Folgen des Angriffs.

14. Timo Kählke, 29 Jahre (staatlich anerkannt).
Er wurde am 12. Dezember 1991 in Meuro (Brandenburg) von Mitgliedern einer “Wehrsportgruppe” erschossen, als diese sein Auto für einen geplanten Überfall stehlen wollten.

1992

15. Ingo Ludwig, 18.
Ein 18-jähriger Jugendlicher wurde am 05. Januar 1992 in Gransee (Brandenburg) von 15 Neonazis erschlagen.

16-18. Dreiköpfige Familie aus Sri Lanka; ein 29-jähriger Vater, seine zwei Jahre ältere Frau und ihr 13 Monate altes Kind. Sie starben am 31. Januar 1992 in Lampertheim (Hessen) bei einem Brandanschlag auf ihre Flüchtlingsunterkunft.

19. Dragomir Christinel, 18 Jahre, Asylbewerber (staatlich anerkannt).
Er wurde am 15. März 1992 bei einem Überfall von 25 Skinheads auf ein Asylbewerberheim in Saal (Mecklenburg-Vorpommern) aus Rache für eine vorausgegangene Auseinandersetzung zwischen Deutschen und Rumänen zu Tode geprügelt.

20. Gustav Schneeclaus, 52 Jahre, Seemann (staatlich anerkannt).
Weil er Hitler als “großen Verbrecher” bezeichnet hatte, wurde er am 18. März 1992 in Buxtehude (Niedersachsen) von Skinheads so schwer misshandelt, dass er am 22. März 1992 an den Folgen seiner Verletzungen starb.

21. Ingo Finnern, 31 Jahre. Obdachloser (staatlich anerkannt).
Nachdem er sich am 19. März 1992 in Flensburg (Schleswig-Holstein) gegenüber einem Skinhead als Sinto zu erkennen gegeben hatte, wurde er von diesem ins Hafenbecken gestoßen und ertrank.

22. Erich Bosse.
Er kam am 4. April 1992 bei einem Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim in Hörstel (Nordrhein-Westfalen) ums Leben.

23. Nguyen Van Tu, 24 Jahre (staatlich anerkannt).
Am 24. April 1992 wollte er zwei vietnamesischen Freunden helfen, die in Berlin-Marzahn von einer Gruppe rechter Jugendlicher verprügelt wurden. Er wollte die Jugendlichen zur Rede stellen, wurde jedoch von einem von ihnen mit einem Messer erstochen.

24. Thorsten Lamprecht, 23 Jahre (staatlich anerkannt).
Am 9. Mai 1992 wurde er in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) bei einem Überfall von 60 Skinheads auf eine Punk-Fete mit Baseballschlägern angegriffen. Er erlag seinen Verletzungen am 11. Mai 1992.

25. Emil Wendtland, 50 Jahre, Obdachloser.
Er wurde am 1. Juli 1992 von drei Skinheads, die sich zum “Penner klatschen” verabredet hatten, im Rosengarten von Neuruppin (Brandenburg) zusammengeschlagen und anschließend erstochen.

26. Sadri Berisha, 56 Jahre (staatlich anerkannt).
Am 8. Juli 1992 wurde der Kosovo-Albaner von sieben Skinheads, die “Polacken klatschen” wollten, bei einem Angriff auf seine Unterkunft in Ostfildern-Kemnat (Baden-Württemberg) mit einem Baseballschläger erschlagen.

27. Dieter Klaus Klein, 49 Jahre, Obdachloser.
Weil er sich über den Lärm und die “Sieg Heil”-Rufe beschwert hatte, wurde er am 1. August 1992 im Stadtpark von Bad Breisig (Rheinland-Pfalz) von zwei Skinheads zusammengetreten und danach mit einem Kampfmesser erstochen.

28. Ireneusz Szyderski, 24 Jahre, Erntehelfer.
Nach dem Besuch eines Disco-Zeltes am 3. August 1992 in Stotternheim (Thüringen) wurde er nach dem Versuch, das Gelände über einen Zaun zu verlassen, von drei Ordnern, die der Skinheadszene angehörten, so schwer verprügelt, dass er an den Verletzungen an Kopf und Rücken starb.

29. Frank Bönisch, 35 Jahre, Obdachloser.
Er starb am 24. August 1992, als ein 23-jähriger Skinhead auf dem Zentralplatz in Koblenz(Rheinland-Pfalz) die gesamte Munition seiner Handfeuerwaffe auf eine Gruppe Obdachloser, Punks und Drogenabhängiger abfeuerte.

30. Günter Heinrich Hermann Schwannecke, 58 Jahre, Obdachloser.
Am 29. August 1992 wurden er und ein weiterer Obdachloser auf einer Parkbank in Berlin-Charlottenburg von einem Mitglied des Ku-Klux-Klan mit einem Baseballschläger zusammengeschlagen. Er erlag am 5. September 1992 seinen Verletzungen.

31. Waltraud Scheffler, Aushilfskellnerin (staatlich anerkannt).
Sie versuchte, bei einem Überfall von Neonazis auf ein Lokal in Geierswalde (Sachsen) am 11. Oktober 1992 auf die mit “Sieg Heil”-Rufen Eindringenden einzureden und wurde dabei mit einer Holzlatte auf den Kopf geschlagen. An ihren schweren Verletzungen starb sie zwölf Tage später.

32. Rolf Schulze, 52 Jahre, Obdachloser (staatlich anerkannt).
Am 7. November 1992 wurde er bei Lehnin (Brandenburg) von zwei Skinheads getreten, geschlagen, mit einer Propangasflasche verprügelt und mehrmals in den Kölpinsee untergetaucht. Seine Leiche wurde mit Benzin übergossen und angezündet.

33. Karl-Hans Rohn, 53 Jahre, Metzger (staatlich anerkannt).
Am 13. November 1992 wurde er in Wuppertal (Nordrhein-Westfalen) in einem Lokal von zwei Rechtsextremisten geschlagen, angezündet und erstickt, nachdem er sich als Jude ausgegeben hatte.

34. Alfred Salomon, 92 Jahre.
Der jüdische Holocaustüberlebende Alfred Salomon wurde am 21. November 1992 in einem Altenheim in Wülfrath (Nordrhein-Westfalen) von einem Oberführer der Organisation “Todt” wegen seiner jüdischen Herkunft beschimpft. Er starb an einem Herzinfarkt, nachdem ihn der Täter mehrmals geschlagen hatte.

35. Silvio Meier, 27 Jahre, Drucker (staatlich anerkannt).
Er gehörte zu einer Gruppe von vier Linken, die am 21. November 1992 in Berlin in eine Auseinandersetzung mit fünf Neonazis gerieten, als sie einen von ihnen aufforderten, den Aufnäher “Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein” abzunehmen. Zwei der Begleiter Silvio Meiers wurden schwer verletzt, er selbst mit Messerstichen in die Lunge getötet.

36-38. Yeliz Arslan, 10 Jahre, Ayse Yilmaz, 14 Jahre, Bahide Arslan, 51 Jahre (staatlich anerkannt).
Am 23. November 1992 verbrannten sie in Mölln (Schleswig-Holstein) bei einem von Neonazis verübten Brandanschlag auf ein Haus, das von aus der Türkei stammenden Familien bewohnt wurde.

39. Bruno Kappi, 55 Jahre, Zeitungsverteiler.
Am 15. Dezember 1992 wurde er vor einem Kaufhaus in Siegen tot aufgefunden. Zwei Neonazis hatten ihn brutal zusammen geschlagen. Anschließend hatten sie ihn sterbend am Boden liegen lassen.

40. Hans-Jochen Lommatsch, 51 Jahre, Baumaschinist.
Er wollte am 18. Dezember 1992 in Oranienburg (Brandenburg) nach seinem Auto sehen, als er von zwei Skinheads angegriffen und von einem der beiden mit Tritten und Faustschlägen getötet wurde.

41. Sahin Calisir, 20 Jahre.
Er wurde am 27. Dezember 1992 auf der Autobahn 57 bei Meerbusch (Nordrhein-Westfalen) von einem Rechtsradikalen mit dem Auto verfolgt und gerammt. Aus Angst verließ Sahin Calisir seinen Wagen, wurde von einem vorbeifahrenden Auto überfahren und starb.

1993

42. Karl Sidon, 45 Jahre, Parkwächter (staatlich anerkannt).
Am 18. Januar 1993 geriet er in Arnstadt (Thüringen) mit rechten Jugendlichen, mit denen er schon mehrfach Auseinandersetzungen gehabt hatte, in einen Streit und wurde bewusstlos geschlagen. Danach zogen ihn die Jugendlichen auf die Straße, wo er von vorbeifahrenden Autos überfahren wurde. Er starb im Krankenhaus.

43. Mario Jödecke, 23 Jahre.
Am 24. Januar 1993 kam es in Schlotheim (Thüringen) vor einer Pizzeria während eines “Heavy-Metal-Abends” zu einer Schlägerei zwischen einer Gruppe linker Punks und einer Gruppe rechter Heavy Metals. Im Verlauf der Schlägerei wurde Mario Jödecke, der mit einem Baseballschläger bewaffnet war, von einem 17-jährigen Skinhead durch einen Messerstich ins Herz getötet.

44. Mike Zerna, 22 Jahre (staatlich anerkannt).
Er wurde am 19. Februar 1993 in Hoyerswerda (Sachsen) bei einem Überfall von rechten Skinheads auf linke Musiker zusammengeschlagen. Sie riefen “”Schlagt die Zecken tot!”” und kippten ein Auto auf den schon am Boden liegenden Mike Zerna. Er starb sechs Tage später an seinen Verletzungen.

45. Mustafa Demiral, 56 Jahre (staatlich anerkannt).
Am 9. März 1993 wurde der Herzkranke in Mülheim/Ruhr (Nordrhein-Westfalen) von zwei Deutschen rassistisch angepöbelt. Als er sich zur Wehr setzte, zielten sie mit einer Gaspistole auf seinen Kopf. Mustafa Demiral brach zusammen und starb kurz darauf an einem Herzanfall.

46. Hans-Peter Zarse, 18 Jahre.
Am 12. März 1993 geriet der Skinhead mit einem weiteren Mitglied der Szene in der Nähe von Uelzen (Niedersachsen) während einer Moped-Panne in Streit. Sein Kamerad fühlte sich in seiner „Ehre beeinträchtigt“, um sie “wieder herzustellen” erstach er den 18-Jährigen.

47. Matthias Lüders, 23 Jahre, Wehrpflichtiger (staatlich anerkannt).
Bei einem Überfall von 40 rechten Skinheads auf eine Diskothek in Obhausen (Sachsen-Anhalt) am 24. April 1993 erhielt er zwei Schläge auf den Kopf und erlag zwei Tage später seinen Verletzungen.

48. Belaid Baylal, 42 Jahre, Asylbewerber.
Am 4. November 2000 starb er an den Spätfolgen eines Angriffs zweier Skinheads am 8. Mai 1993 in einer Gaststätte in Belzig (Brandenburg). Er war dort beschimpft und verprügelt worden und musste mit lebensgefährlichen Verletzungen am Dünndarm ins Krankenhaus eingeliefert werden. Er starb schließlich am dritten Darmverschluss.

49. Jeff Dominiak, 25 Jahre.
Am 26. Mai 1993 wurde der deutsch-ägyptische Schauspieler Jeff Dominiak bei Waldeck (Brandenburg) von einem betrunkenem 17-jährigen Neonazi mit einem gestohlenen Auto überfahren.

50. Gürsün Inçe, 27 Jahre (staatlich anerkannt).
Sie starb am 29. Mai 1993 bei einem Brandanschlag auf das von der Familie Genç bewohnte Haus in Solingen (Nordrhein-Westfalen).

51. Hatice Genç, 18 Jahre (staatlich anerkannt).
Sie starb am 29. Mai 1993 bei einem Brandanschlag auf das von der Familie Genç bewohnte Haus in Solingen (Nordrhein-Westfalen).

52. Hülya Genç, 9 Jahre (staatlich anerkannt).
Sie starb am 29. Mai 1993 ebenfalls bei dem Brandanschlag auf das von der Familie Genç bewohnte Haus in Solingen (Nordrhein-Westfalen).

53. Saime Genç, 4 Jahre (staatlich anerkannt).
Auch sie starb am 29. Mai 1993 bei dem Brandanschlag in Solingen.

54. Gülüstan Öztürk, 12 Jahre (staatlich anerkannt).
Sie starb ebenfalls am 29. Mai 1993 bei dem Solinger Brandanschlag.

55. Horst Hennersdorf, 37 Jahre, Obdachloser.
Am 5. Juni 1993 wurde er in Fürstenwalde (Brandenburg) von zwei jungen Rechtsextremisten zu Tode gequält. Mehrere Zeugen beobachteten die Tat, ohne einzuschreiten.

56. Obdachloser, 33 Jahre (staatlich anerkannt).
Der Schlafende wurde am 16. Juli 1993 in Marl (Nordrhein-Westfalen) als “Judensau” beschimpft und von einem rechten Skinhead mit Schlägen und Tritten bewusstlos geschlagen. Er starb drei Monate später, ohne das Bewusstsein wieder erlangt zu haben.

57. Hans-Georg Jakobson, 35 Jahre.
Am 28. Juli 1993 wurde der Schlafende von drei rechten Skinheads in einer S-Bahn nahe Strausberg (Brandenburg) geschlagen und getreten. Anschließend warfen sie ihn aus der fahrenden S-Bahn. Er starb an seinen Verletzungen.

58. Bakary Singateh, 19 Jahre, Asylbewerber.
Er wurde am 7. Dezember 1993 im Eilzug von Hamburg nach Buchholz (Niedersachsen) von einem 54-jährigen Deutschen durch einen Messerstich in den Bauch tödlich verletzt, weil sich dieser durch den Asylbewerber gestört gefühlt hatte.

1994

59. Ali Bayram, 50 Jahre, Unternehmer.
Am Abend des 18. Februar 1994 wurde er in seiner Wohnung in Darmstadt (Hessen) von seinem Nachbarn erschossen. Auch seine Tochter wurde von einer Kugel am Arm verletzt. Der Nachbar war der Familie schon längere Zeit als Neonazi bekannt. Er begründete die Tat damit, dass die fünfköpfige Familie zu laut gewesen sei.

60. Eberhart Tennstedt, 43 Jahre.
Der Obdachlose Eberhart Tennstedt wurde am 5. April 1994 in Quedlinburg (Sachsen-Anhalt) von einer Clique im Alter von 21 bis 23 Jahren geschlagen und mit Schüssen aus einer Gaspistole in einen Fluss getrieben. Die Täter hinderten ihr Opfer daran den Fluss zu verlassen, woraufhin der alkoholisierte Tennstedt ertrank.

61. Klaus R., 43 Jahre.
Er geriet am 28. Mai 1994 in einen Streit mit einer Gruppe von sechs rechten Skinheads, die eine Wohnung in einem Mietshaus in Leipzig (Sachsen) besetzt hatten. Sie prügelten ihn zu Tode.

62. Beate Fischer, 32 Jahre.
Am 23. Juli 1994 wurde sie von drei Skinheads getötet. Sie war den Tätern zunächst freiwillig gefolgt, wollte nach einer Misshandlung jedoch gehen. Daraufhin wurde sie mehrfach vergewaltigt, erwürgt und vor die Mülltonnen eines Hauses in Berlin-Reinickendorf gelegt. 5.

63. Jan W., 45 Jahre, Bauarbeiter.
Am 26. Juli 1994 wurde der Pole von einer Gruppe junger Deutscher in die Berliner Spree getrieben, gewaltsam daran gehindert ans Ufer zurückzuschwimmen und ertrank.

64. Gunter Marx, 42 Jahre.
Am 6. August 1994 wurde er in Velten (Brandenburg) von einer Gruppe von Rechten, die ihn ausrauben wollten, vom Fahrrad getreten. Als er ihnen sagte, dass er kein Geld bei sich habe, wurde er von einem der Rechten mit einem schweren Schraubenschlüssel erschlagen.

65. Piotr Kania, 18 Jahre.
Am 6. November 1994 geriet er auf dem Bahnhof von Rotenburg/Fulda (Hessen) in eine Auseinandersetzung mit fünf Bundeswehrrekruten. Nach Zeugenaussagen war einer der Soldaten eindeutig als Rechter erkennbar, weswegen ihn Kania als “Nazischwein” bezeichnete. Er folgte ihm bis zum Bahnhofsvorplatz, wo jener sich schließlich plötzlich umdrehte und ihm einen Stoßdolch gezielt ins Herz rammte.

66. Michael Gäbler, 18 Jahre.
Am 20. November 1994 kam es in einem Jugendklub in Zittau (Sachsen) während einer Party zu einem Streit mit einem Gast, der auf Grund nationalistischer Sprüche Hausverbot erteilt bekam. Gäbler und ein Begleiter führten danach, 150 Meter vom Klubhaus entfernt, mit ihm eine verbale Auseinandersetzung. Als sich der Begleiter zum Gehen abwandte, stach der bekennende Nazi mehrmals auf Gäbler ein, der an den schweren Verletzungen starb.

1995

67. Horst Pulter, 65 Jahre, Obdachloser (HM).
Am 5. Februar 1995 wurde der auf einer Parkbank im Stadtpark von Velbert (Nordrhein-Westfalen) Schlafende von sieben rechtsextremistischen Jugendlichen durch Tritte verletzt. Einer der Jugendlichen versetzte ihm zum Schluss einen tödlichen Messerstich.

68. Peter T., 24 Jahre, Bundeswehrsoldat (staatlich anerkannt).
Am 25. Mai 1995 wurde er bei einem Ausflug an einen Stausee bei Hohenstein/Ernstthal (Sachsen) von etwa zwanzig Skinheads, die zuvor Pakistanis angegriffen hatten, zusammengeschlagen. Er starb neun Tage später.

69. Dagmar Kohlmann, 25 Jahre.
Am 16. Juli 1995 wurde sie in Altena (Nordrhein-Westfalen) vom vorbestraften und per Haftbefehl gesuchten Neonazi Thomas Lemke und seiner Freundin stundenlang auf das Schwerste misshandelt und nach ihrem gewaltsamen Tod in einem Wald verscharrt. Während der Gerichtsverhandlung teilte der Täter mit, dass er jemanden habe umbringen wollen, “einfach irgend jemanden, der dumm genug ist, in unsere Wohnung mitzukommen”.

70. Klaus-Peter Beer, 48 Jahre.
In der Nacht zum 7. September 1995 wurde der Homosexuelle von zwei Skinheads in Amberg (Bayern) in die Vils geworfen und ertrank.

1996

71-80. Maiamba Bunga, Nsuzana Bunga, Françoise Makodila, Christine Makodila, Miya Makodila, Christelle Makodila, Legrand Makodila, Jean-Daniel Makodila, Rabia El Omari, Sylvio Amoussou.
Verbrannt in der Nacht zum 18. Januar 1996 bei einem Anschlag auf ein Flüchtlingsheim in Lübeck (Schleswig-Holstein).
81. Patricia Wright, 23 Jahre (staatlich anerkannt).
Am 3. Februar 1996 wurde sie in Bergisch Gladbach (Nordrhein-Westfalen) von dem Neonazi Thomas Lemke misshandelt, vergewaltigt und anschließend erstochen, weil sie bei einer früheren Begegnung einen “Nazis Raus”-Aufnäher auf der Jacke getragen hatte.

82. Sven Beuter, 23 Jahre (staatlich anerkannt).
Am 15. Februar 1996 wurde er in Brandenburg/Havel (Brandenburg) von einem Skinhead so schwer verprügelt, dass er fünf Tage später starb. Der Täter wollte an ihm seinen Hass auf “Zecken”, wie Linke und Punks von der rechten Szene genannt werden, auslassen.

83. Martin Kemming, 26 Jahre (staatlich anerkannt).
Am 15. März 1996 wurde der Aussteiger aus der rechten Szene in Dorsten-Rhade (Nordrhein-Westfalen) von dem Neonazi Thomas Lemke erschossen. Dieser hatte Kemming für einen Verräter gehalten, da er von ihm angezeigt und belastet worden war.

84. Bernd G., 43 Jahre, Geschäftsmann.
Am 8. Mai 1996 wurde er in Leipzig-Wahren (Sachsen) nach einer Zechtour mit drei Rechtsextremisten von ihnen zusammengeschlagen und erstochen. Die Leiche versenkten die drei Täter im Ammelshainer See, wo sie eine Woche später gefunden wurde.

85. Boris Morawek, 26 Jahre.
Am 11. Juli 1996 wurde er auf einem Platz in Wolgast (Mecklenburg-Vorpommern) von zwei Skinheads mit Tritten und Schlägen traktiert, weil er als “Kinderschänder keine Rechte mehr habe”. Von Zeugen gerufene Polizisten verhinderten nicht, dass weiterhin auf ihn eingetreten wurde. Zwei Tage später starb er an seinen schweren Kopfverletzungen.

86. Werner Weickum, 44 Jahre, Elektriker.
Er wurde am 19. Juli 1996 am Bahnhof von Eppingen (Baden-Württemberg) von einer rechtsgerichteten Jugendbande überfallen, ausgeraubt und zu Tode geprügelt.

87. Andreas Götz, 34 Jahre.
Er starb an den Folgen eines Überfalls durch sechs rechte Jugendliche am 1. August 1996 in Eisenhüttenstadt (Brandenburg). Sie erbeuteten 90 DM und erpressten die Geheimnummer seiner EC-Karte, indem sie auf ihn einschlugen und ihm auf den Kopf sprangen.

88. Achmed Bachir, 30 Jahre, Asylbewerber.
Er wurde am 23. November 1996 in Leipzig (Sachsen) vor einem Gemüseladen mit einem Messerstich ins Herz getötet, als er zwei deutschen Kolleginnen zu Hilfe kommen wollte, die von zwei Skinheads attackiert und als “Türkenschlampen” bezeichnet worden waren.

1997

89. Phan Van Toau, 42 Jahre.
Er wurde am 31. Januar 1997 am Bahnhof Fredersdorf (Brandenburg) von einem 30-Jährigen und einem 36-Jährigen auf Grund ihres Ausländerhasses mehrfach geschlagen und mit dem Kopf auf den Betonboden geworfen. Er starb am 30. April 1997 in einer Rehabilitationsklinik.

90. Frank Böttcher, 17 Jahre (staatlich anerkannt).
Der zur Punk-Szene Zugehörige wurde am 8. Februar 1997 in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) von einem Gleichaltrigen mit Springerstiefeln getreten. Anschließend stach dieser dem am Boden Liegenden mit einem Butterfly-Messer mehrfach in den Rücken. Frank Böttcher starb kurz darauf im Krankenhaus.

91. Antonio Melis, 37 Jahre.
Er wurde am 13. Februar 1997 in Caputh (Brandenburg) von einem 18-Jährigen und einem 25-Jährigen mit Schlägen und Tritten schwer misshandelt und anschließend von dem 18-Jährigen in der Havel ertränkt. Zeugen berichteten von rassistischen Äußerungen gegenüber dem Opfer.

92. Stefan Grage, Polizist (staatlich anerkannt), 34 Jahre.
Am 23. Februar 1997 wurde er auf dem Autobahn-Parkplatz Roseburg (Schleswig-Holstein) vom flüchtigen Rechtsextremisten Kai Diesner erschossen.

93. Olaf Schmidke, 26 Jahre.
Nach einem Streit unter vier Rechtsextremen stachen zwei von ihnen ihre Kameraden am 17. April 1997 in Berlin-Treptow nieder. Die Täter sowie die Opfer gehörten der rechtsextremen Szene in Berlin und im angrenzenden Umland an.

94. Chris Danneil, 31 Jahre.
Nach einem Streit unter vier Rechtsextremen stachen zwei von ihnen ihre Kameraden am 17. April 1997 in Berlin-Treptow nieder. Die Täter sowie die Opfer gehörten der rechtsextremen Szene in Berlin und dem angrenzenden Umland an.

95. Horst Gens, 50 Jahre, Arbeitsloser.
Am 22. April 1997 wurde er in Sassnitz (Mecklenburg-Vorpommern) von vier jungen Männern entführt, geschlagen und in einen Straßengraben geworfen. Die Täter kamen später nochmals zurück und erschlugen ihn mit einem 30 Kilogramm schweren Stein. Als Motiv für die Tat gaben sie an, dass sie „Assis klatschen“ wollten.

96. Augustin Blotzki, 59 Jahre, Arbeitsloser (staatlich anerkannt).
Am 8. Mai 1997 wurde er in Königs-Wusterhausen (Brandenburg) von einer Gruppe junger Rechtsextremisten zweimal innerhalb weniger Stunden in seiner Wohnung überfallen und zuletzt zu Tode geprügelt.

97. Matthias S., 39 Jahre.
Am 23. September 1997 wurde er in Cottbus (Brandenburg) von einem 19-jährigen Skinhead erstochen, nachdem er diesen als “Nazisau” beschimpft hatte.

98. Erich Fisk, Obdachloser, 59 Jahre.
Am 23. September 1997 wurde er in Angermünde (Brandenburg) mit schweren Kopfverletzungen aufgefunden, die ihm junge Männer zugefügt hatten. Ohne aus dem Koma erwacht zu sein, starb Erich Fisk am 30. August 1998 im Krankenhaus.

99. Georg V., 46 Jahre.
Er wurde am 27. September 1997 vom selben Skinhead, der vier Tage zuvor Matthias S. erstochen hatte, in Cottbus (Brandenburg) wegen geringfügiger Geldschulden getötet.

100. Josef Anton Gera, 59 Jahre, Rentner.
Am 14. Oktober 1997 wurden ihm in Bochum (Nordrhein-Westfalen) von zwei 26- und 34-jährigen rechten Skinheads schwere innere Verletzungen mit einem Stahlrohr zugefügt, denen er am 17. Oktober 1997 erlag. Nach Angaben der beiden Täter hatte ihnen das spätere Opfer sexuelle Avancen gemacht.

1998

101. Jana Georgi, 14 Jahre.
Sie wurde am 26. März 1998 in Saalfeld (Thüringen) auf offener Straße von einem rechtsgerichteten 15-Jährigen erstochen, den sie zuvor als “Fascho” bezeichnet hatte.

102. Nuno Lourenco, 49 Jahre, Zimmermann (staatlich anerkannt).
Im Juli 1998 wurde er von acht rechtsgerichteten Männern zwischen 18 und 20 Jahren in Leipzig (Sachsen) zusammengeschlagen. Er starb am 29. Dezember 1998 in Portugal an den Folgen der Verletzungen.

1999

103. Farid Guendoul (alias Omar Ben Noui), 28 Jahre, Asylbewerber (staatlich anerkannt).
In der Nacht zum 13. Februar 1999 wurde er in Guben (Brandenburg) von einer Gruppe junger Rechtsextremisten gejagt. Auf der Flucht trat er eine Glastür ein, wobei er sich tödliche Verletzungen zuzog.

104. Egon Efferts, 58 Jahre, Frührentner.
Am 17. März 1999 wurde er in Duisburg (Nordrhein-Westfalen) von drei bekennenden rechten Skinheads “aus purer Lust auf Menschenjagd” totgetreten.

105. Peter Deutschmann, 44 Jahre, Obdachloser (staatlich anerkannt).
Am 9. August 1999 wurde er in Eschede (Niedersachsen) von einem 17-Jährigen und einem 18-Jährigen totgetreten, nachdem er sie mehrmals aufgefordert hatte, “den Scheiß mit dem Skinhead-Gehabe zu lassen”.

106. Carlos Fernando, 35 Jahre.
Der Mosambikaner wurde am 15. August 1999 in Kolbermoor (Bayern) von einem 31-jährigen Mann totgeprügelt, der sich zuvor darüber aufgeregt hatte, dass das Auto seiner Freundin von Afrikanern zugeparkt worden war.

107. Patrick Thürmer, 17 Jahre, Lehrling.
In der Nacht zum 2. Oktober 1999 griffen rechte Skinheads ein Punkfestival in Hohenstein-Ernstthal (Sachsen) an. Thürmer und einem Freund gelang es zunächst, zu einem Bauernhof zu flüchten. Dort wurde er von drei Skinheads, die ihn verfolgt hatten, mit Fußtritten, einer Axt und einem Billardqueue bewusstlos geprügelt. Am Morgen darauf fanden ihn Anwohner. Er starb wenige Stunden später im Krankenhaus.

108. Kurt Schneider, 38 Jahre, Sozialhilfeempfänger.
In der Nacht zum 6. Oktober 1999 wurde er von vier Skinheads in Berlin-Lichtenberg zu Tode gequält.

109. Hans-Werner Gärtner, 37 Jahre (staatlich anerkannt).
Am 8. Oktober 1999 wurde Hans-Werner Gärtner in Löbejün (Sachsen-Anhalt) aufgrund seiner geistigen Behinderungen Opfer dreier Erwachsener im Alter von 25 bis 27 Jahren. Die Täter schlugen und misshandelten ihr Opfer so sehr, dass Gärtner seinen schweren Verletzungen erlag.

110-113. Daniela Peyerl,18, Karl-Heinz Lietz, 54, Horst Zillenbiller, 60, und Ruth Zillenbiller, 54, wurden am 1. November 1999 von dem 16-jährigen Martin Peyerl, dem Bruder Daniela Peyerls, in Bad Reichenhall (Bayern) erschossen. Der Täter, der eine rechtsextreme, Gewalt verherrlichende Einstellung hatte, tötete sich anschließend selbst.

114. Jörg D., 39 Jahre (staatlich anerkannt).
In Halle-Neustadt (Sachsen-Anhalt) wurde Jörg D. von drei Männern, einer davon ein bekennender Neonazi, aufgrund seiner geistigen Behinderungen am 29. Dezember 1999 ermordet. Die Täter traten ihn mit Springerstiefeln ins Gesicht, nachdem sie in seiner Geldbörse lediglich Kleingeld fanden. Er starb an den Folgen der Tat.

2000

115. Bernd Schmidt, 52 Jahre, obdachloser Glasdesigner.
Er wurde in seiner Baracke in Weißwasser (Sachsen) von zwei 15-jährigen und einem 16-jährigen Jugendlichen über einen Zeitraum von drei Tagen zu Tode geprügelt. Sie wollten 900 DM für ein Moped erpressen, doch Bernd Schmidt konnte diese nicht zahlen. Er starb am 31. Januar 2000 an Hirnblutungen und einer Lungenentzündung, die er sich durch das Einatmen von Blut zugezogen hatte.

116. Helmut Sackers, 60 Jahre.
Am 29. April 2000 wurde er von einem Neonazi im Treppenhaus eines Plattenbaus in Halberstadt (Sachsen-Anhalt) erstochen, weil er sich über das laute Abspielen von Nazimusik, unter anderem des Horst-Wessel-Liedes, beschwert und die Polizei verständigt hatte.

117. Dieter Eich, Sozialhilfeempfänger.
Am 25. Mai 2000 wurde er von vier rechten Jugendlichen, die “einen Assi ??? klatschen” wollten, in seiner Wohnung in Berlin-Pankow zusammengeschlagen und erstochen.

118. Falko Lüdtke, 22 Jahre.
Er wurde am 31. Mai 2000 in Eberswalde (Brandenburg) von einem Angehörigen der rechten Szene vor ein Taxi gestoßen und überfahren.

119. Alberto Adriano, 39 Jahre (staatlich anerkannt).
Er wurde am 11. Juni 2000 in der Nähe des Stadtparks in Dessau (Sachsen-Anhalt) von drei rechten Jugendlichen bewusstlos geschlagen und getreten, in den Park geschleift und weiter geschlagen, bis die Polizei kam. Drei Tage später starb er an seinen Verletzungen.

120 -122. Thomas Goretzky, 35, Polizist, Yvonne Hachtkemper, 34, Polizistin und Matthias Larisch von Woitowitz, 35, Polizist.
Am 14. Juni 2000 erschoss der Neonazi Michael Berger in Dortmund und Waltrop (Nordrhein-Westfalen) die drei Polizisten und anschließend sich selbst. Der im Auto sitzende Täter eröffnete während einer Kontrolle plötzlich das Feuer, tötete Goretzky und auf der Flucht Hachtkemper und von Woitowitz. In seiner Wohnung fand die Polizei später weitere Schusswaffen und Mitgliedsausweise der DVU und der Republikaner.

123. Klaus-Dieter Gerecke, Obdachloser.
Er wurde in der Nacht zum 24. Juni 2000 in Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) von einem der rechten Szene zuzuordnenden 21-jährigen Mann und zwei Frauen zu Tode geprügelt. Eine der Begleiterinnen hatte dem Täter zugerufen: „Da ist der Assi, klatsch ihn tot“.

124. Jürgen Seifert, 52 Jahre, Obdachloser.
Am 9. Juli 2000 wurde er von fünf Rechtsextremen in einem Abrisshaus in Wismar (Mecklenburg-Vorpommern) mit Schlägen und Tritten so schwer misshandelt, dass er wenig später seinen Verletzungen erlag.

125. Norbert Plath, 51 Jahre, Obdachloser (staatlich anerkannt).
Am 27. Juli 2000 wurde er in Ahlbeck (Mecklenburg-Vorpommern) von vier jungen Rechtsextremisten zu Tode geprügelt, weil sie ihn für „asozialen Dreck“ hielten.

126. Enver Şimşek, 38 Jahre (staatlich anerkannt).
Am 9. September 2000 wurde Enver Şimşek in Schlüchtern (Hessen) von der terroristischen Neonazivereinigung “Nationalsozialistischer Untergrund” (NSU) an seinem mobilen Blumenstand mit acht Schüssen aus zwei Pistolen angeschossen. Er erlag zwei Tage später an seinen schweren Verletzungen.

127. Malte Lerch, 45 Jahre, Obdachloser (staatlich anerkannt).
In der Nacht zum 12. September 2000 wurde er in Schleswig (Schleswig-Holstein) von zwei Skinheads erschlagen, nachdem er mit ihnen auf einer Wiese gezecht hatte. Die beiden Skinheads fühlten sich beleidigt, da Malte Lerch schlecht über die Skinhead-Szene gesprochen hatte.

128. Eckhardt Rütz, 42 Jahre, Obdachloser (staatlich anerkannt).
Am 25. November 2000 wurde er in Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) vor der Mensa der Universität von drei rechten Skinheads getreten und mit Baumstützpfählen zusammengeschlagen, weil “so einer wie Rütz dem deutschen Steuerzahler auf der Tasche liegt”. Eckhardt Rütz starb an seinen schweren Kopfverletzungen.

2001

129. Willi Worg, 38 Jahre.
Am 25. März 2001 wurde er in Milzau (Sachsen-Anhalt) von fünf Männern, von denen mindestens drei zur rechten Szene gehörten, vor einer Diskothek zusammengeschlagen und getreten. Drei Tage später erlag er seinen Verletzungen.

130. Fred Blanke, 51 Jahre, Frührentner.
Am 26. März 2001 wurde er in seiner Wohnung in Grimmen (Mecklenburg-Vorpommern) von zwei jungen Männern der rechten Szene getreten und mit Stuhlbeinen und Faustschlägen geschlagen. Die beiden waren auf Zechtour und benötigten Geld, doch Fred Blanke hatte sich geweigert den ihm flüchtig bekannten Angreifern Geld zu geben. Er starb an Gehirnblutungen.

131. Mohammed Belhadj, 31 Jahre, Asylbewerber.
Am 22. April 2001 wurde er nahe Jarmen (Mecklenburg-Vorpommern) von vier Männern mit rassistischer Gesinnung umgebracht. Zuvor hatten sie Belhadj auf Haschisch angesprochen und in ihr Auto steigen lassen. Kurz darauf kam es zu einem Streit, weil er ihnen keine Drogen besorgen konnte. Im Auto und an einem nahegelegenen Kies-See wurde er geschlagen und getreten, ehe er gezwungen wurde ins Wasser zu gehen. Im Wasser kniend wurde ihm schließlich ein schwerer Stein an den Kopf geworfen, woraufhin er ins Wasser fiel und ertrank.

132. Abdurrahim Özüdoğru, 49 Jahre (staatlich anerkannt).
Am 13. Juni 2001 wurde Abdurrahim Özüdoğru in Nürnberg Langwasser (Bayern) von der terroristischen Neonazivereinigung “Nationalsozialistischer Untergrund” (NSU) mit zwei Kopfschüssen aus einer Pistole in seiner Änderungsschneiderei ermordet.

133. Süleyman Taşköprü, 31 Jahre (staatlich anerkannt).
Am 27. Juni 2001 wurde Süleyman Taşköprü in Hamburg Bahrenfeld von der terroristischen Neonazivereinigung “Nationalsozialistischer Untergrund” (NSU) mit drei Kopfschüssen aus zwei Pistolen im Obst- und Gemüseladen seines Vaters erschossen. Einen Tag später wurde er von seinem Vater tot aufgefunden.

134. Klaus-Dieter Harms, 61.
Am 9. August 2001 wurde er von zwei Männern in seiner Wohnung in Wittenberge (Brandenburg) zu Tode geprügelt. Das Gericht stellte fest, dass die beiden Täter den gehbehinderten Alkoholiker als verachtungswürdigen Menschen betrachtet und aus „Mordlust“ gehandelt hätten.

135. Dieter Manzke, 61 Jahre, Obdachloser (staatlich anerkannt).
Am 9. August 2001 wurde er von fünf jungen Männern in einem leer stehenden Gartenbungalow in Dahlewitz (Brandenburg) erschlagen, da sich die Täter “gestört fühlten” und angesichts seiner Lebensweise “Ordnung schaffen wollten”.

136. Dorit Botts, 54 Jahre, Ladeninhaberin.
Sie wurde am 17. August 2001) in ihrem Military Shop in Fulda (Hessen) bei einem neonazistischen Aufnahmeritual der “Deutschen Heidenfront” von einem19-jährigen Neonazi erstochen. Der Täter raubte ihr ferner Kleidung und Bargeld.

137. Habil Kılıç, 38 Jahre (staatlich anerkannt).
Am 29. August 2001 wurde Habil Kılıç in München Ramersdorf (Bayern) von der terroristischen Neonazivereinigung “Nationalsozialistischer Untergrund” (NSU) mit zwei Kopfschüssen in seinem Obst- und Gemüseladen erschossen.

138. Arthur Lampel, 18 Jahre.
Dem aus Russland stammenden Aussiedler wurde am 9. September 2001 bei einem Fest in Bräunlingen (Baden-Württemberg) von einem Skinhead ein Weizenbierglas auf den Kopf geschlagen. Ein Splitter drang in die Halsschlagader ein, woran Arthur Lampel schließlich verblutete.

139. Ingo B., 36 Jahre.
Am 6. November 2001 wurde der Herzkranke in einer Berliner Wohnung von drei angetrunkenen Rechtsextremisten getreten, geschlagen und gewürgt, da sie angeblich 40 DM Schulden eintreiben wollten. Er starb daraufhin an einem Herzinfarkt.
2002

140. Kajrat Batesov, 24 Jahre.
Am 4. Mai 2002 wurde der Aussiedler zusammen mit einem Freund in Wittstock (Brandenburg) von mehreren jungen Männern mit Schlägen und Tritten traktiert. Kajrat Batesov wurde anschließend ein 18 Kilogramm schwerer Feldstein auf die Brust geworfen. Am 23. Mai 2002 erlag er seinen schweren Verletzungen. Während des Gerichtsprozesses stellte die Kammer eine „diffuse Fremdenfeindlichkeit” bei den Tätern fest.

141. Klaus Dieter Lehmann, 19 Jahre.
Am 15. Mai 2002 lud der geistig und körperlich Behinderte zwei betrunkene rechte Skinheads in sein Zimmer in Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern) ein. Dort rissen sie Poster afroamerikanischer HipHop-Sänger von den Wänden. Danach gingen sie gemeinsam zu einem See, und da er “genervt” habe, schlugen ihn die beiden Täter zu Boden, ehe einer der Skinheads ihm mit Tritten den Kopf zertrümmerte. Klaus Lehmann starb an Hirnquetschungen.

142. Ronald Masch, 29 Jahre, Dachdecker.
Am 1. Juni 2002 wollten vier Rechtsextremisten den betrunkenen Ronald Masch in der Nähe von Neu Mahlisch (Brandenburg) ausrauben. Sie schlugen ihn zusammen, und einer der Täter stach etwa vierzigmal in Niere, Brustkorb und Hals. Der Fahrer eines Mähdreschers fand die Leiche elf Tage später.

143. Marinus Schöberl, 17 Jahre (staatlich anerkannt).
Marinus Schöberl wurde am 12. Juli 2002 von drei Rechtsextremisten in einer Wohnung in Potzlow (Brandenburg) auf das Schwerste erniedrigt und misshandelt. Anschließend wurde er zu einem Schweinestall gebracht und weiter malträtiert. Nach stundenlanger Quälerei wurde er schließlich am Morgen des 13. Juli mit einem „Bordsteinkick“ ermordet. Seine Leiche wurde im November 2002 in einer Jauchegrube gefunden. Die beiden 17-jährigen und der 23-jährige Täter hatten Schöberl für “minderwertig” gehalten, weil er Sprachschwierigkeiten hatte und mit seinem HipHop-Outfit nicht ihrem Geschmack entsprach.

144. Ahmet Sarlak, 19 Jahre, Lehrling.
Am 9. August 2002 wurde er auf einem Volksfest in Sulzbach (Saarland) von einem Rechtsextremisten mit fünf Messerstichen in Bauch und Brust verletzt, nachdem er ihn versehentlich mit einer weggeschnippten Zigarettenkippe getroffen hatte. Sarlak starb einen Tag später an seinen schweren Verletzungen.

2003

145. Hartmut Balzke, 48 Jahre.
Am 25. Januar 2003 hatte er seinen Sohn zu einer Punk-Party in Erfurt (Thüringen) begleitet. Als er mit einer Gruppe Punks auf der Straße stand, wurden sie überraschend von einer Gruppe Rechtsextremer angegriffen. Zeugen fanden einen Punk und Hartmut Balzke mit schweren Kopfverletzungen auf der Straße liegend. Er erlag am 27. Januar 2003 seinen Verletzungen.

146. Andreas Oertel, 40 Jahre.
Er wurde Opfer einer Gruppe zweier Erwachsener (26 und 29 Jahre) und zweier Jugendlicher im Alter von 15 bis 17 Jahren, die ihr Opfer aufgrund seiner geistigen Behinderung und homosexuellen Orientierung ermordeten. Oertel starb, nachdem er misshandelt und geschlagen wurde, an den Folgen schwerer Schläge und Tritte gegen seinen Kopf am 21. März 2003 in seiner Wohnung in Naumburg (Sachsen-Anhalt).

147. Enrico Schreiber, 25 Jahre.
In der Nacht zum 29. März 2003 wurde der Punk in der Wohnung einer Plattenbausiedlung in Frankfurt/Oder (Brandenburg) von drei rechts gesinnten Männern so schwer misshandelt, dass er im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag.

148. Günter T., 35 Jahre.
Er war am 20. April 2003 in Riesa (Sachsen) in einem Jugendhaus über mehrere Stunden schweren Misshandlungen ausgesetzt.Er starb später an seinen Kopfverletzungen. Das Gericht verurteilte die vier Täter (29 bis 36 Jahre) wegen Totschlags. Bei einem von ihnen wurde rechtsextremes Propagandamaterial gefunden. Das Gericht kritisierte zugleich das ganze Dorf Stauchitz, das dem Tod von Günter T. kaum Beachtung schenkte.

149. Gerhard Fischhöder, 49 Jahre.
Er wurde am 10. Juli 2003 in einer Obdachlosenunterkunft in Scharnebeck bei Lüneburg (Niedersachsen) von einem 38 Jahre alten Mann zu Tode getreten. Bereits vorher pöbelten Neonazis vor dem Obdachlosenheim und wendeten Gewalt gegen die Obdachlosen an.

150-152. Mechthild Bucksteeg, 53, Hartmut Nickel, 61, Alja Nickel, 26.
Am 7. Oktober 2003 fuhr der 45-jährige Neonazi Thomas Adolf zusammen mit seiner 19-jährigen Freundin Jennifer D. zum Haus des Rechtsanwalts Hartmut Nickel in Overath (Nordrhein-Westfalen). Dort erschoss er zuerst Nickels Ehefrau Mechthild, dann fesselte D. den Rechtsanwalt und seine Tochter Alja, ehe Adolf sie durch Kopfschüsse aus nächster Nähe tötete. Im Gerichtsverfahren beschrieb der Täter sich selbst als “engagiertes Mitglied der Nazi-Szene”. Weiterhin äußerte er rechtsextreme Hasstiraden gegen “das deutsche Rechtswesen” und meinte: “Alle Juristen müssen vernichtet werden.” Die Morde nannte er eine “von mir selbst durchgeführte Maßnahme zur Gesundung des deutschen Volkes”, die “mehr als notwendig” gewesen sei.

153-154 Petros C., 22, und Stefanos C., 23.
Petros C. und Stefanos C. starben am 6.12.2003 nach einem Brandanschlag eines 22 Jahre alten Mannes aus Kandel (Rheinland-Pfalz) auf ein Haus, indem mehrheitlich Migrantinnen und Migranten wohnten. Der Täter betrank sich vor der Tat mit befreundeten Neonazis des “Nationalen Widerstands Kandel”.

155-157. Viktor Filimonov, 15, Aleksander S.,17, Waldemar I.,16.
In der Nacht zum 20. Dezember 2003 wurden die drei Aussiedler in Heidenheim (Baden-Württemberg) von einem 17-jährigen, der Skinheadszene zuzurechnenden Jugendlichen erstochen. Der Täter wollte in eine Diskothek, hatte dort jedoch wegen einer vorherigen Prügelei bereits Hausverbot. Vor dem Lokal kam es zu einer Auseinandersetzung mit den Opfern, in deren Verlauf die drei Jugendlichen tödlich verletzt wurden.

2004

158. Oleg V., 27 Jahre.
In der Nacht zum 21. Januar 2004 wurde der Aussiedler in Gera/Bieblach-Ost (Thüringen) von drei der Skinheadszene zuzurechnenden Jugendlichen mit Schlägen, Tritten und Messerstichen traktiert, sodass Oleg V. schließlich an seinen schweren Verletzungen starb.

159. Martin Görges, 46 Jahre.
Am 30. Januar 2004 wurde der wohnungslose Görges Opfer zweier junger Neonazis in Burg (Sachsen-Anhalt). Die beiden Täter im Alter von 16 und 22 Jahren schlugen ihr Opfer vor einer Diskothek zusammen, nachdem sie ihn daran gehindert hatten, mit ihrer Mutter zu tanzen und erfahren hatten, dass er wegen Kindesmissbrauch eine Haftstrafe abgesessen habe. Anschließend töteten die beiden Neonazis Görges durch Fußtritte auf den Hinterkopf auf einer Bordsteinkante. Diesen “Bordsteinkick” entnahmen sie aus einer Szene des amerikanischen Films “American History X”.

160. Mehmet Turgut, 25 Jahre (staatlich anerkannt).
Am 25. Februar 2004 wurde Mehmet Turgut in Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) von der terroristischen Neonazivereinigung “Nationalsozialistischer Untergrund” (NSU) mit einem Kopfschuss in einem Imbissstand erschossen.

2005

161. Thomas Schulz, 32 Jahre.
Am 28. März 2005 trafen in Dortmund (Nordrhein-Westfalen) ein 17-jähriger Neonazi und seine 16-jährige Freundin gegen 19 Uhrin der U-Bahn-Station Kampstraße auf den 32-jährigen Punk Thomas Schulz. Nach einer verbalen Auseinandersetzung zog der Neonazi ein Messer und stach auf das Opfer ein. Thomas Schulz verstarb noch am selben Abend im Krankenhaus.

162. Mann, 44 Jahre.
Er wurde am 1. Juli 2005 in Essen von zwei 15 und 17 Jahre alten Neonazis zu Tode geprügelt. Die beiden Brüder waren bereits zuvor wegen diverser Gewalt- und Vermögensdelikte auffällig geworden.

163. Ismail Yaşar, 50 Jahre (staatlich anerkannt).
Am 9. Juni 2005 wurde Ismail Yaşar in Nürnberg (Bayern) von der terroristischen Neonazivereinigung “Nationalsozialistischer Untergrund” (NSU) mit fünf gezielten Schüssen in seinem Dönerstand ermordet.

164. Theodorus Boulgarides, 41 Jahre (staatlich anerkannt).
Am 15. Juni 2005 wurde Theodorus Boulgarides in München Westend (Bayern) von der terroristischen Neonazivereinigung “Nationalsozialistischer Untergrund” (NSU) in seinem Schlüsselladen mit einem gezielten Kopfschuss ermordet.

165. Tim Maier, 20 Jahre.
Er wurde am 26. November 2005 in Bad Buchau (Baden-Württemberg) Opfer eines Neonazis. Der Täter, ein ehemaliges NPD-Mitglied, stach mit einem Messer während eines Handgemenges auf sein 20-jähriges Opfer ein, nachdem er zuvor mit einem weiteren Neonazi sein Opfer und dessen Begleiter rassistisch beschimpft hatte. In der Wohnung des 24-jährigen Täters fand die Polizei neben einer Pistole auch Hakenkreuzfahnen und Landser-Hefte.

2006

166. Andreas Pietrzak, 41 Jahre.
Der Obdachlose Andreas Pietrzak wurde in der Nacht vom 5. zum 6. Mai 2006 Opfer eines 19-jährigen Neonazis in Plattling (Bayern). Zunächst trank der Täter mit seinem Opfer, schlug aber dann mit einem Holzpflock auf ihn ein, bis dieser bewusstlos wurde. Daraufhin raubte er sein Opfer aus und zündete Pietrzak mit Spiritus an. Gemeinsam mit einem weiteren Bekannten hatte der Täter sein Opfer schon einmal misshandelt.

167. Mehmet Kubaşık, 39 Jahre (staatlich anerkannt).
Am 4. April 2006 wurde Mehmet Kubaşık in Dortmund (Nordrhein-Westfalen) von der terroristischen Neonazivereinigung “Nationalsozialistischer Untergrund” (NSU) mit mehreren Schüssen in seinem Kiosk niedergeschossen und starb an seinen schweren Verletzungen.

168. Halit Yozgat, 21 Jahre (staatlich anerkannt).
Am 6. April 2006 wurde Halit Yozgat in Kassel (Hessen) von der terroristischen Neonazivereinigung “Nationalsozialistischer Untergrund” in seinem Internetcafé durch zwei gezielte Kopfschüsse ermordet.

2007

169. Andreas F., 30 Jahre.
Nach einem Streit am Morgen des 1. Januar 2007 wurde der 30-jährige Familienvater aus der rechtsextremen Szene in Wismar (Mecklenburg-Vorpommern) von örtlichen Kameraden ermordet.

170. Michèle Kiesewetter, 22 Jahre (staatlich anerkannt).
Am 25. April 2007 wurde die Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn (Baden-Württemberg) von der terroristischen Neonazivereinigung “Nationalsozialistischer Untergrund” (NSU) mit einem Kopfschuss in ihrem Streifenwagen ermordet. Ihr zwei Jahre älterer Kollege wurde ebenfalls schwer verletzt.

171. M. S., 17 Jahre.
M.S. wurde in der Nacht zum 14. Juli 2007 in Brinjahe (Schleswig-Holstein) von einem 23-Jährigen mit einer Eisenstange erschlagen. Das Opfer, das zuvor Kontakte zur rechten Szene hatte, war auf einer Feier von demTäter, einem ehemaligen NPD-Mitglied und Bundeswehrsoldaten, mehrfach geschlagen worden. Daraufhin erstattete M.S. bei zwei Polizisten Anzeige gegen Unbekannt. Auf dem Heimweg traf er erneut auf den Täter, der ein Merkblatt der Polizei zum Thema Opferschutz bei ihm fand. Der 23-Jährige beschimpfte ihn daraufhin als “Spitzel” und erschlug ihn mit einer Eisenstange.

2008

172. Peter Siebert, 40 Jahre.
Er wurde am 26. April 2008 von einem 21-jährigen Neonazi in Memmingen (Bayern) mit einem Bajonett erstochen. Zuvor hatte sich Siebert mehrmals über die rechtsextreme Musik seines Mörders beschwert. In der Tatnacht waren beide alkoholisiert und hatten wieder Streit über die zu laute Musik und die rechte Gesinnung des Mörders.

173. Bernd Köhler, 55 Jahre (staatlich anerkannt).
Bernd K. wurde in der Nacht zum 22. Juli 2008 in Templin (Brandenburg) von zwei Rechtsextremen zunächst massiv misshandelt, gewürgt und schließlich getötet. In der Gerichtsverhandlung hielt der Richter fest, dass das neonazistische Menschenbild des Täters bei der Auswahl des als “asozial” angesehenen Opfers entscheidend war.

174. Karl-Heinz Teichmann, 59 Jahre.
Am 23. Juli 2008 wurde der Obdachlose Teichmann von einem 18-jährigen Neonazi in Leipzig mit massiven Schlägen und Tritten misshandelt. Er erlag zwei Wochen später seinen schweren körperlichen Verletzungen. Der betrunkene Täter hatte eine Mahnwache unter dem Motto “Todesstrafe für Kinderschänder” besucht und war auf dem Weg nach Hause, als er auf sein wehrloses Opfer stieß.

175. Hans-Joachim Sbrzesny, 50 Jahre.
Am 1. August 2008 wurde Hans-Joachim S. vor dem Hauptbahnhof in Dessau(Sachsen-Anhalt), wo er auf einer Bank übernachtete, von zwei der rechtsextremen Szene nahestehenden Männern getreten und geschlagen. Außerdem prügelte einer der beiden mit einem fünf Kilogramm schweren Metall-Mülleimer so lange mit voller Wucht auf Kopf und Oberkörper des Opfers ein, bis die Täter von dessen Tod überzeugt waren. Vor Gericht zeigten beide eine „tiefe innere Miss- und Verachtung“ für ihr Opfer und ein „Gefühl der Überlegenheit“ über den Mann, der in ihren Augen ein „Penner“ und „Asozialer“ war, so der Oberstaatsanwalt.

176. Rick Langenstein, 20 Jahre (staatlich anerkannt).
Der Kunststudent Rick L. verweigerte am Abend des 13. August 2008 in der Nähe der Diskothek “Funpark” in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) dem gleichaltrigen, wegen Körperverletzung und Volksverhetzung vorbestraften Neonazi Bastian O. eine Zigarette. Dieser schlug und trat daraufhin sein Opfer zusammen. Die mörderische Reaktion des Täters auf eine Nichtigkeit lässt sein menschenverachtendes Weltbild erkennen. Rick L. erstickte an einer nahegelegenen Bushaltestelle an seinem eigenen Blut.

177. Marcel W., 18 Jahre.
Marcel W. wurde am 24. August 2008 in Bernburg (Sachsen-Anhalt) mehrere Stunden lang von David B. misshandelt und in Brust und Bauch gestochen, ehe er an seinen Verletzungen starb. David B. hatte Marcel W. erstmals im November 2007 zusammengeschlagen und wollte eine Zeugenaussage W.s im Prozess zur Tat verhindern. Der Täter war als rechtsextremer Gewalttäter polizeilich in Erscheinung getreten. Während des Gerichtsprozesses betonten Zeugen darüber hinaus, die feste Verankerung des Täters in der Neonaziszene.

2009

178. Marwa El-Sherbiny, 31 Jahre (staatlich anerkannt).
Während einer Strafverhandlung am 1. Juli 2009 im Landgericht Dresden (Sachsen), zu der die hochschwangere Marwa El-Sherbini als Zeugin geladen war, wurde sie vom Angeklagten Alex W. aus anti-muslimischem Rassismus erstochen.

2010

179. Sven M., 27 Jahre.
In einem Neonazi-Hinterhofclub in Hemer (Nordrhein-Westfalen) wurde Sven M., selbst in der rechten Szene aktiv, am 14. Mai 2010 vom Betreiber des Neonazi-Clubs mit einem Jagdmesser die Kehle bis zur Wirbelsäule durchschnitten. Vier weitere Tatbeteiligte halfen dem Täter anschließend die Leiche in einem Waldstück zu verscharren.

180. Kamal Kilade, 19 Jahre.
Er starb am 24. Oktober 2010 am Leipziger Bahnhof (Sachsen) nach dem Angriff zweier Nazis an den Folgen eines Messerstiches in den Bauch. Die beiden Täter waren mehrfach wegen Gewaltdelikten vorbestraft.

2011

181. André Kleinau, 50 Jahre.
Am 27.Mai 2011 wurde der Obdachlose André K. in Oschatz (Sachsen) von drei Männern im Alter von 25 bis 36 mit Schlägen und Tritten schwer misshandelt. Der 50-jährige starb sechs Tage später in einem Krankenhaus in Leipzig.

182. Duy-Doan Pham, 59 Jahre.
Am 27. März 2011 wurde der aus Vietnam stammende Obdachlose Duy-Doan Pham in Neuss (Nordrhein-Westfalen) Opfer zweier Männer im Alter von 18 und 38 Jahren. Zunächst raubten die Täter ihr Opfer aus. Aus Angst, er könne bei der Polizei aussagen, schlugen sie dann zehn Minuten lang auf den 59 Jahren alten Vater dreier Kinder ein. Anschließend beobachteten sie ihn beim Sterben, bis ihr Opfer schließlich an seinem Blut erstickte. Der 18 Jahre alte Täter hatte Hakenkreuze auf seiner Brust tätowiert und unterhielt Kontakte zu Neonazis. Während des Prozessauftaktes vor dem Düsseldorfer Landgericht sagte der 18-Jährige, dass er manche Einstellungen der Nazis teile. Auf Nachfrage des vorsitzenden Richters bezeichnete er Ausländer als „Kanacken“.

2012

183. Klaus-Peter Kühn, 59 Jahre.
Am 16. Juni 2012 drangen in Suhl (Thüringen) zwei Brüder im Alter von 17 und 23 Jahren und ein 19-jähriger Bekannter der beiden in die Wohnung des 59-jährigen Klaus-Peter Kühn ein. Die jungen Männer forderten Alkohol und Geld von Kühn. Anschließend schlugen sie ihn, zertrümmerten einen Stuhl auf seinem Kopf und warfen einen Fernseher sowie eine Tischplatte nach dem Opfer. Einer der Täter sprang auf die Platte. Die Täter verließen mit dem erbeuteten Geld kurz die Wohnung, kehrten aber später zurück, um auf den Schwerverletzten zu urinieren und ihm glühende Zigarettenstummel in die Nase zu stecken. Klaus-Peter Kühn starb an den Folgen der schweren inneren und äußeren Verletzungen am 17. Juni 2012. Obwohl ein Täter wegen Hakenkreuzschmierereien vorbestraft war und die Richterin den Tätern ein sozialdarwinistisches Motiv attestierte, wurde im Urteilsspruch schwere Erpressung als tatbestimmendes Moment gewertet.

2013

184. Konstantin M., 34-jähriger Mann aus Kasachstan.
Am 17. Juli 2013 wurde in Kaufbeuren ein Mann aus Kasachstan von einem 36-jährigen Neonazi getötet, der bereits wegen des Zeigens des Hitler-Grußes und des Rufens von “Heil Htler” vorbestraft war. Zum Ende des “Tänzelfestes” in Kaufbeuren begannen mehrere Männer im Alter von 22 bis 53 Jahren, darunter der Täter, drei Spätaussiedler zu provozieren. Sie beleidigten sie rassistisch und attackierten sie auch körperlich. Die Angegriffenen setzten sich erfolgreich zur Wehr, erlitten jedoch leichte Verletzungen. Als sich Security-Kräfte zu der Schlägerei begaben, folgte ihnen aus reiner Neugier eine fünfköpfige Gruppe. Unter ihnen war auch Konstantin M., ein 34-jähriger Familienvater aus Kasachstan. Die aus Thüringen stammenden Angreifer begannen nun auch die hinzugekommene, unbeteiligte Gruppe zu provozieren. Unvermittelt schlug dabei der 36-jährige Thüringer Neonazi dem 34-jährigen Kasachen mit der Faust auf den Kopf. Der Kasache brach bewusstlos zusammen. Trotz Reanimationsversuchen vor Ort starb er kurze Zeit später im Krankenhaus. Auf der bisherigen Grundlage der Informationen hat sich die Amadeu Antonio Stiftung dazu entschieden, den 34-jährigen Familienvater, der eine Ehefrau sowie sechs- und zehnjährige Kinder hinterlässt, in die Liste der Todesopfer rechter Gewalt aufzunehmen.

ENDE? LEIDER NEIN!

Die Liste: 184 Todesopfer rechtsextremer und rassistischer Gewalt seit 1990